Schnell verlassen

So sieht eine erste Einschätzung aus

Ein erfundenes Beispiel, keine echte Person: Eine erste Einschätzung liest sich nie wie eine Vorlage, sondern wie eine Antwort auf genau das, was du geschrieben hast. Damit du eine Vorstellung bekommst, wie das aussieht, zeigen wir eine Beispielanfrage und einen Auszug aus meiner Antwort darauf.

Was jemand mir schreiben könnte

Ich bin seit 14 Jahren verheiratet, wir haben zwei Kinder, ein Haus mit laufendem Kredit und ein gemeinsames Konto. Nichts Schlimmes ist passiert — keine Affäre, kein Streit, der uns auseinandergebracht hätte. Aber die Liebe ist seit Jahren weg, während Respekt und Freundschaft geblieben sind. Ich denke das nicht erst seit Kurzem. Nachts, wenn alle schlafen, sitze ich im Bad oder auf dem Sofa und frage mich, ob ich nur wegen der Kinder bleibe — und ob es egoistisch wäre, zu gehen, oder egoistisch, zu bleiben und mit 60 auf ein liebloses Leben zurückzuschauen. Ich habe noch niemandem davon erzählt.

Auszug aus meiner Antwort

Was du beschreibst, ist keine akute Krise — genau das macht es so schwer zu benennen. Kein Streit, kein Betrug, niemand hat etwas falsch gemacht. Nur eine Stille, die sich seit Jahren eingerichtet hat: Respekt und Freundschaft sind da, die Liebe ist es nicht mehr.

In dem, was du schreibst, stecken mindestens zwei Fragen, die sich gegenseitig blockieren. Die eine: Ist das, was zwischen euch ist, genug zum Bleiben? Die andere: Was schuldest du euren Kindern, und was schuldest du dir selbst? Das sind zwei verschiedene Fragen. Solange du sie gemeinsam zu beantworten versuchst, wird keine von beiden klar.

Zur zweiten Frage, weil sie dich am meisten festhält: Kinder brauchen kein perfektes Elternpaar. Sie merken, wenn zwei Menschen aneinander vorbeileben — auch wenn niemand schreit. Das heißt nicht, dass du gehen musst. Es heißt nur, dass „wegen der Kinder bleiben" allein keine Antwort auf die erste Frage ist, sondern eine Vermeidung von ihr. Konkrete Fragen zu Unterhalt oder Sorgerecht kann und werde ich dir nicht beantworten — dafür brauchst du eine Anwältin oder einen Anwalt, wenn es so weit kommt.

Bevor irgendeine Entscheidung ansteht, wäre mein Vorschlag: Schreib mir, wie sich dein Alltag mit ihm heute anfühlt — nicht, wie er begonnen hat, sondern wie er sich gerade anfühlt, Abend für Abend. Daraus lässt sich mehr lesen als aus der Frage „gehen oder bleiben".

[ Hier bricht der Auszug ab … ]

— Stefan

Wenn du magst, kannst du jetzt selbst aufschreiben, was bei dir los ist. Schreib auf, was los ist